Sonderausstellung im Sylter Heimatmuseum

Foto © Göltz

Wiederentdeckt! Inselfriesische Trachten aus der Wunderkammer

Keitum. 1741 reiste der Amrumer Pastorensohn Andreas Wedell zum Studium nach Halle. Im Gepäck befanden sich als Gastgeschenk die fünf kleinen Puppen, die in inselfriesischer Tracht gekleidet sind. Trachten, die auf Sylt und Föhr getragen wurden. Bis heute befinden sich diese in der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen in Halle. Der stark restaurierungsbedürftige Zustand erlaubt es leider nicht, dass die Puppen eine Reise in die alte Heimat antreten dürfen. Bereits 1931 war dieser Zustand sehr kritisch, dennoch konnte das Altonaer Museum in Hamburg die Puppen als Leihgaben übernehmen. 1939, kurz vor der Rückgabe dieser Puppen, ließ das Museum detailgenaue Reproduktionen anfertigen, die nun im Sylter Heimatmuseum zusammen mit Abbildungen der Originale ausgestellt werden. Die Ausstellung »Wiederentdeckt! Inselfriesische Trachten aus der Wunderkammer« beleuchtet die Besonderheit dieser frühen Zeitzeugnisse zur Sylter Tracht. Bislang gibt es keine älteren Informationen darüber, wie die Sylter Tracht einstmals aussah und welche Stoffe und Materialien verwendet wurden. Deutlich später sind die Trachten-Grafiken entstanden, die Jacob Rieter entwarf. Auch diese werden in der Ausstellung zu sehen sein.

Ebenso thematisiert die Ausstellung, wie Ende der 1960er Jahren sich die Trachtengruppe der Söl’ring Foriining gründete, um die historische Sylter Tracht im Detail wieder zu entdecken und »salonfähig« zu machen.

Silke von Bremen, die Initiatorin von Living History Sylt, entdeckte 2014 die Existenz der Puppen, die lange Zeit in Vergessenheit gerieten und beschäftigte sich mit deren Geschichte. 2016 erspielte Living History Sylt in Keitum den Erlös für die Ausstellung »Wiederentdeckt!« und macht es damit erstmals möglich, dass die Puppen auf Sylt ausgestellt werden können.

Die Sonderausstellung ist ab Freitag, den 23. Juni, im Sylter Heimatmuseum am Kliff 19 in Keitum zu sehen. Geöffnet ist das Heimatmuseum Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr. Sonnabends, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.