Philip Köster im Interview

»Mein Traum ist es, auf Sylt wieder
Weltmeister zu werden«

Ende dieser Woche beginnt der Mercedes-Benz Windsurf World Cup Sylt. Auf einen Teilnehmer freuen sich die Fans besonders: Der dreimalige Weltmeister Philip Köster ist in dieser Saison nach einer schweren Verletzung wie Phönix aus der Asche in die Weltspitze zurückgekehrt. Der 23-Jährige hatte sich bei einem Trainingsunfall im Herbst 2016 eine starke Knieverletzung zugezogen und in diesem Jahr beim ersten PWA World Cup der Wellenreiter in Pozo mit einem sensationellen Sieg zurückgemeldet. Da der Deutsche danach auch auf Teneriffa nicht zu schlagen war, kann er aufgrund eines möglichen Streichergebnisses mit einem Erfolg auf Sylt vorzeitig seinen vierten WM-Titel holen – trotz eines noch ausstehenden Wettkampfes. Über seine Verletzung, die Rückkehr in den World-Cup-Zirkus und die Atmosphäre auf Sylt spricht Philip Köster in einem Interview.

 

Wie geht es deinem Knie? Bist du noch in der Reha oder ist die nicht mehr nötig?
Ich mache zu Hause regelmäßig Übungen, dehne mich ausgiebig vor dem Training und dem Wettkampf. Außerdem fahre ich viel Fahrrad. Das Laufen lasse ich dagegen sein, das ist nicht gut für mein Knie.

Gab es einen Moment, in dem du dachtest, es wird nichts mehr mit dem Windsurfen?
In den ersten Monaten war es schon hart, denn mein Knie tat sehr weh. Aber ich hatte einen tollen Arzt in Hamburg, der mir immer wieder gesagt hat, dass ich zu 100 Prozent wieder fit werde. Dasselbe meinte auch mein Physiotherapeut und ich dachte mir, wenn das beide sagen, muss es ja stimmen. Und sie hatten recht, mein Knie ist in Ordnung, ich habe keine Schmerzen mehr.

Auch wenn die Verletzung sehr schwer war: Hast du trotzdem etwas Positives daraus gezogen?
Ehrlich gesagt war es auch mal ganz schön, nicht unterwegs zu sein. Ich reise seit acht Jahren um die Welt, das hört sich gut an, kann aber manchmal auch ein wenig eintönig werden, zumal ich häufig an Orten war, die ich bereits sehr gut kannte. Ich weiß auch gar nicht, wie viele Stunden ich im Flugzeug gesessen und auf Flughäfen gewartet habe. Während der Reha konnte ich endlich mal so richtig ausspannen und habe die Zeit zu Hause trotz der Verletzung auch genossen. Als sich mein Knie wieder besser anfühlte, wollte ich natürlich nur noch aufs Wasser und Windsurfen.

Sehen wir auf Sylt den Triple-Loop oder hast du den erstmal gestrichen?
Nach dieser Verletzung ist der Triple-Loop erstmal kein Thema mehr, ich will normal surfen und bin froh, dass das schon so gut klappt. In der Welle habe ich einige kleinere Neuerungen eingebaut, die werde ich auf Sylt zeigen, wenn der Wind mitspielt.

Am Brandenburger Strand kannst du wegen eines möglichen Streichergebnisses erneut Weltmeister werden. Ist das für dich vor dem deutschen Publikum ein besonderer Ansporn oder würdest du lieber woanders Champion werden, wo der Rummel um deine Person nicht so groß ist?
Ich bin auf Sylt zweimal zum Weltmeister gekürt worden und jedes Mal war das ein tolles Gefühl, von dem Publikum so gefeiert zu werden. Deshalb wäre es natürlich ein Traum, wenn es in diesem Jahr wieder in Westerland klappen sollte. Natürlich ist der Medienrummel beim größten Windsurf-Event der Welt auch am größten, aber damit kann ich mittlerweile ganz gut umgehen.

Was machst du auf Sylt, wenn kein Wind weht?
Das kann schon ein wenig nerven. Ich werde mir dann ein Fahrrad leihen und damit die Insel erkunden.

Was sind deine Ziele? Liebäugelst du damit, eine weitere Disziplin zu fahren, da die Wave-Tour der PWA nicht sehr viele Stationen hat?
Ich bin schon ein paar Mal Slalom gefahren, aber ich glaube, das bleibt die Ausnahme. Um diese Disziplin wettkampfmäßig auszuüben, braucht man spezielles Material und vor allem gute Trainingspartner, um schneller und besser zu werden. Ich werde vielleicht mal ein Feestyle-Event mitfahren, aber mein Herz schlägt für das Waveriding.