Familienforschung als Lebensaufgabe

Elisabeth Westmore erhält
den C.-P.-Hansen-Preis

Am Anfang stand das Interesse an der Vergangenheit. »Mein Lieblingsfach in der Schule war immer schon Geschichte«, sagt Elisabeth Westmore. Geschichte, genauer gesagt Familienforschung, wurde die Aufgabe ihres Lebens. Von der eigenen Geschichte ausgehend, begann Westmore zunächst ihren Stammbaum zu konstruieren. Doch dabei blieb es nicht. »Es ging wie nach dem Schneeballprinzip immer weiter«, beschreibt Westmore, wie die Leidenschaft für das Thema sie erfasste. Sie wertete Kirchenbücher, Standesamtsregister und Sekundärliteratur akribisch aus, erstellte Stammbäume auch für andere Sylter Familien und erfasste die Personendaten mit einem modernen Datenverarbeitungsprogramm. Bis heute, über drei Jahrzehnte später, hat Elisabeth Westmore eine Datenbank aufgebaut, in der rund 50.000 Sylterinnen und Sylter sowie deren Nachkommen in aller Welt erfasst sind. Und ständig kommen weitere Personendaten dazu. Für diese Arbeit an ihrer Familiendatenbank Sylt und die davon abgeleitete Dokumentation zur Auswanderung von Sylt wird Elisabeth Westmore mit dem diesjährigen C.-P.-Hansen-Preis ausgezeichnet.

»Wissen muss man teilen und weitergeben«, lautet das Credo der Familienforscherin, »nur wenn man das tut, kann es weiter wachsen.« In diesem Sinne stellte Elisabeth Westmore ihre Seite mit Sylter Stammbäumen und das Ortsfamilienbuch Sylt ins Internet. Darauf stößt, wer im World Wide Web seine Sylter Vorfahren sucht. Jeder, der mit Elisabeth Westmore Kontakt aufnimmt, bekommt von ihr seinen Stammbaum, und zwar stets umsonst. »Zu wissen, woher man kommt, ist ein Baustein für Zufriedenheit im Leben und wichtig für die eigene Identität«, weiß Westmore aus unzähligen Kontakten mit Sylterinnen und Syltern sowie deren Nachfahren. Bedankt haben diese sich oft mit weiteren Daten und Informationen, mit denen Westmore die Datenbank wiederum erweitern konnte. So setzt sich im Laufe der Zeit Mosaiksteinchen zu Mosaiksteinchen zu einem Ganzen zusammen, ein fortlaufender Prozess, der nie zu Ende ist.
Es sind nicht nur Personendaten, die in der Familiendatenbank Sylt gespeichert sind, sondern auch Einträge aus Volkszählungen, Kirchenbüchern, Fotos und Berichte über die erfassten Personen aus verschiedenen Quellen. So entsteht, sagt Westmore, »das Bild einer spezifischen Gemeinschaft, geprägt von Geografie, Umwelt, Zeitgeschehen und familiären Verbindungen, das Bild vom Leben auf unserer Insel.« Die Familiendatenbank Sylt wird zur Grundlage für spezifische Forschungen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Insel Sylt. Einen dieser Aspekte hat Elisabeth Westmore bereits untersucht: die Auswanderung von Sylt. Die in der Forschung verbreitete Ansicht, es hätte keine nennenswerte Auswanderung von Sylt gegeben, konnte Westmore anhand ihrer Datenbank widerlegen.
Elisabeth Westmore wurde in Morsum geboren, als Tochter des Pastors Hans Ingwers und seiner Frau Meta, geborene Prott, und verbrachte dort Kindheit und frühe Jugend bis zum Umzug nach Munkmarsch. Sie absolvierte eine Buchhändlerlehre in Westerland, studierte dann Geschichte und Germanistik in Berlin. Ihren Job in der Berliner Verwaltung gab sie auf, als sie den Engländer John Westmore heiratete und in die Nähe von London zog. Das Ehepaar siedelte später auf die Isle of Wight um. Elisabeth Westmore lebte dort auch nach dem Tod ihres Mannes weiter. Ihre Entscheidung, nach Sylt zurückzukehren, fiel, als Großbritannien für den Brexit votierte.
Die Verleihung des C.-P.-Hansen-Preises an Elisabeth Westmore findet am 10. Dezember um 11.30 Uhr im Muasem Hüs statt.