Bauarbeiten im Zeitplan

Innenrenovierung St. Severin

Keitum. Die Kirche St. Severin ist zusammen mit dem Friedhof nicht nur ein wichtiges kulturhistorisches Denkmal, sondern ein Wahrzeichen für die ganze Insel. Im Jahr 2015 wurde der Gescheckte Nagekäfer, ein aggressiver Holzparasit, auf dem Dachboden der Kirche St. Severin im Zuge der Erstellung eines Sanierungskonzepts entdeckt. Die Notmaßnahmen zur Instandsetzung des Dachstuhls offenbarten an zahlreichen Holzbalken Runen, die aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts stammen. Laut ersten Experten-Schätzungen wurde die Kirche demnach bereits im 12. Jahrhundert erbaut und ist somit älter als gedacht. Nach der erfolgreichen Sanierung des Dachstuhls begann im Oktober die Innenrenovierung mit Hauptausreinigung der Mühleisenorgel, die voraussichtlich bis Ostern 2018 andauern wird.

In mühevoller Kleinarbeit werden die Wände von mehreren Schichten Farbe befreit und die Löcher ausgebessert. »Im Grunde versuchen wir, Renovierungssünden von Vorvätern von vor hundert Jahren jetzt zu reparieren. Diese Sünden haben der Kirche mehr geschadet als genützt«, sagte Pastor Ingo Pohl. Früher wurde nach dem Prinzip gearbeitet: eine Farbschicht über die nächste, wobei eine Farbe deckender und chemisch konzentrierter war als die vorherige. Zudem ist die Sylter Luft feucht sowie salzlastig und hat sich über die Jahrhunderte in den Mauern eingelagert. Somit wurde das Mauerwerk angefressen und beschädigt. Zahlreiche Sylter Gewerke kümmern sich um die Renovierung. Das Ziel, St. Severin in seiner Grundbausubstanz zu erhalten, steht federführend für die Arbeiten in der Kirche. Im Zuge der Renovierung erhalten die Wände einen neuen Kalkanstrich. »Es kommt an die Wand, was jeder Bauer seit 500 Jahren in seinem Kuhstall auch macht, nämlich eine Muschelkalk-Farblösung, damit die Wände atmungsaktiv hergerichtet werden«, erklärte der evangelisch-lutherische Pastor. In den nächsten Wochen werden die gemalte Holzdecke, der Altar, die Kanzel und die Orgel gereinigt, das Gestühl und die Emporen gestrichen und die Beleuchtung erneuert. Die Heizungs- und Lüftungsanlage wird modernisiert und erhält eine neue Kesselanlage in Brennwerttechnik. Sowohl die Beleuchtung als auch die Heiztechnik sind im Hinblick auf eine CO2-Reduzierung gestaltet.
Diese Maßnahmen und Renovierungsarbeiten kosten viel Geld. Zum einen hat die Kirchengemeinde mittlerweile 520.000 Euro durch Spenden und die Aktion »Rettet St. Severin« eingenommen, zum anderen gab es einen großen Zuschuss von 465.000 Euro von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VI, II. Tranche. Zusätzlich wurde eine Förderung vom Förderkreis St. Severin e.V. und eine kleine Summe vom Kirchenkreis überreicht. Jedoch gibt es noch eine offene Summe von 230.000 Euro. Doch Pastor Ingo Pohl ist zuversichtlich, dass der restliche Betrag durch Spenden gesammelt werden kann.