»Sie ist ganz Kunst«

Galerie Rudolf zeigt Ida Kerkovius

Die deutsche Malerin lettischer Herkunft Ida Kerkovius (1879-1970) gehört zu den wohl überragendsten Künstlerinnen des Bauhauses. Von der Lehre des Malers und Theoretikers Adolf Hoelzel (1853-1934) beeindruckt, studierte sie, wie auch Johannes Itten, Oskar Schlemmer und Willi Baumeister, als Meisterschülerin an der Königlich Württembergischen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Dort übernimmt sie ein Meisteratelier mit der Aufgabe, die Schüler in die Bildlehre Hoelzels einzuweisen. Als Kerkovius 1920 im Alter von schon 41 Jahren ans Bauhaus in Weimar geht, erhofft sie sich »neue künstlerische Anregungen«. Auch wenn sie in den Kursen bei Itten, Schlemmer, Klee und Kandinsky auf Bekanntes trifft, entwickelt sie sich hier zu voller Größe. Figuren und Gegenstände verlieren in Kerkovius’ Bildern ihr Eigenleben; Menschen haben meist keine Gesichter, Tiere erkennt man an ihren Umrissen. Der eigentliche Gegenstand ihrer Malerei sind die kräftigen Farben, die sie am Bauhaus in ein konstruktives Bildgerüst einzubinden lernt. Dort übernimmt sie die Weberklasse und schafft zahlreiche Teppiche und Kostüme. 1924 kehrt sie nach Stuttgart zurück. Im Jahr 1958 wird sie zur Professorin ernannt und gehört neben Otto Dix, Willi Baumeister und Erich Heckel zu den Gründungsmitgliedern des Künstlerbundes Baden-Württemberg. Trotz ihres Erfolges macht Ida Kerkovius kein Aufhebens um ihre Person und erst recht nicht um ihre Kunst. »Sie ist ganz Kunst«, hat Alexej Jawlensky einmal über sie gesagt. Als sie, hochbetagt und hochgeehrt, im Alter von über 90 Jahren in der schwäbischen Metropole starb, war die kleine Dame mit den blauen, wachen Augen als letzte Vertreterin der Moderne bereits zur Legende geworden. Zudem sind in den großzügigen Räumen der Galerie Rudolf im Souterrain des Hauses Kampeneck in der Hauptstraße 8 weitere schöne Einzelstücke von Künstlern der Klassischen Moderne zu sehen. Geöffnet ist die Galerie Rudolf von Montag bis Sonnabend von 11 bis 18 Uhr.