Brücke-Künstler Otto Mueller

Highlights der Kunst
in der Galerie Rudolf

Im 17. Jahr in Kampen präsentiert die Galerie Rudolf in ihren großzügigen Räumlichkeiten im Haus Kampeneck wieder eine gewohnt exquisite Auswahl an bedeutenden Kunstwerken der Klassischen Moderne und des Expressionismus. Dazu zählt auch das bedeutende Gemälde »Zigeunerfamilie am Lagerfeuer« des deutschen Malers Otto Mueller. »Zigeuner-Mueller« war der Spottname des Malers, der als letztes Mitglied in die Künstlergruppe »Brücke« aufgenommen wurde. Angeblich war seine Mutter Zigeunerin. Jedenfalls fühlte er sich von Kindheit an zum ungebundenen Leben der Zigeuner hingezogen. Diese vagabundierenden Außenseiter verkörperten für ihn ebenso wie die blutjungen filigranen Mädchenakte, träumerisch im Schilff hockend, an Waldseen badend, das expressionistische Ideal der Versöhnung von Kunst und Leben. Die reale Lebenswelt der Zigeuner ist angesprochen, aber ohne eine Spur sozialkritischer Interpretation: der Außenseiter der modernen Industriegesellschaft scheint in die Idylle eines romantisierten Kontextes eingebettet, scheint Sehnsuchtsziel in einem verlorenen Paradies, ähnlich den Südseebildern Paul Gauguins. Unter den »Brücke-Künstlern« nahm Mueller aufgrund seiner stillen und introvertierten Wesensart eine Außenseiterrolle ein.

Otto Mueller (1874-1930), »Zigeunerfamilie am Lagerfeuer«, Mischtechnik um 1920, 60 x 44 cm