Tjen di Biiki ön
Sylt. Wenn am 21. Februar der große Holzstapel entzündet wird, strahlt uraltes friesisches Brauchtum weit in den Abendhimmel. Mit Pauken und Trompeten setzen sich die Fackelzüge zu den Biiken (Sylter Friesisch: Feuerzeichen) der Insel in Bewegung. Dort wartet man gespannt auf den Aufruf »Tjen di Biiki ön!« (Zündet die Biike an). Ein Tusch, dann fliegt die erste Fackel ins Geäst. Etwa eine Stunde später stürzt die Tonne, die inmitten der Biike auf einem Pfahl thront, in die Flammen: Jetzt ist der Winter vertrieben! An vielen Stellen auf der Insel, an mehr als 80 in ganz Nordfriesland, brennen dann wieder die Feuer, die Biiken. Eine uralte Tradition, bis zurück in heidnische Zeiten, sagenumwoben – oder wie »Halloween« vom Marketing erfunden? Ursprünglich lag der Termin des Biikefestes nicht fest, er wurde örtlich an verschiedenen Tagen begangen, jedoch stets vor Beginn der Fastenzeit. Mit diesen Feuern sollten die Walfänger verabschiedet werden, vor ihren abenteuerlichen Fahrten in die Ferne. Eine Legende, hört sich gut erfunden an. Man weiß auch, von wem. Der Keitumer Lehrer und Chronist Christian Peter (C. P.) Hansen (1803 bis 1879) hatte sich dies ausgedacht. Doch tatsächlich: Die Walfänger konnten damals wie heute erst dann lossegeln, wenn die Häfen eisfrei meldeten ...Fakt ist: Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Biike auf den Abend des 21. Februar, also genau den Abend vor dem Petritag, terminiert. Spaß macht es seitdem allen Beteiligten, ob nun echter Brauch oder nicht. Nach den Fackelzügen zu den Biike-Plätzen und nach den Ansprachen in deutscher und in friesischer Sprache werden die Feuer entzündet – und danach trifft man sich traditionell zum Grünkohlessen.














