Sturmfut 1962
Sylt. Sylt. In seinem Buch »Wenn die Deichen brechen« schreibt »Mr. Sturmflut« Uwe Sönnichsen (gemeinsam mit Jochen Moseberg) über Sturmfluten und Küstenschutz. Da-rin berichtet der Fotojournalist auch über die Situation in Wes-terland bzw. Sylt: »Bereits in den Tagen vor der Sturmflut hatte es heftig gestürmt. Der Sturm aus Westen, Stärke acht bis neun, setzte bereits in der Nacht zum 16. Februar ein, das Mittagshochwasser erreichte in Westerland einen Stand von 1,5 Metern über dem mittleren Tidehochwasser. Trotz Niedrigwasser sank die Fluthöhe nicht, und der Wind drehte auf Nordwest, so dass für das nächste Hochwasser mit einem außergewöhnlichen Wasserstand gerechnet werden musste. Um 20.30 Uhr, mittlerweile herrschte Windstärke zehn bis elf, wurde Katastrophenalarm ausgelöst.Am späten Abend waren aus den Strandübergängen reißende Flüsse geworden. Die braunen Massen ergossen sich in die Stadt. Allen Versuchen zum Trotz, die Übergänge mit Sandsäcken zu schließen.Gottlob gab es auf Sylt keine Toten, lautet der Stoßseufzer.Aber es gab erheblichen Sachschaden und Dünenverlust zu beklagen. Vor der Kersig-Siedlung in Hörnum wurde die schützende Düne vollständig abgeräumt, Wassereinbrüche waren die Folge.Im alten Gemeindehaus stand das Wasser bis zum Fensterkreuz. In letzter Minute rettete der Bürgermeister die Akten. Ein Mitarbeiter kommentiert den Vorgang mit friesisch-tro-ckenem Humor: »Schade eigentlich, dass nicht auch das Finanzamt abgesoffen ist!«Auch in Rantum brachen mehrere Meter von der Westküste ab, die Häuser an der Wattseite standen bis zu 50 Zentimeter im Wasser. Am Lister Strandübergang holte sich die Nordsee zehn Meter Dünen. In Westerland wurde die Strandmauer unterspült, in der Promenade entstanden große Hohlräume. Steine und Geröll lagen wild auf dem Gehweg verstreut. Einige Tetrapoden, die immerhin sechs Tonnen pro Stück wiegen, wurden vom Wasser bis zu 40 Meter weit weg getrieben, zwei Strandübergänge fielen zusammen.Enormen Flurschaden gab es auch in der Stadt. Das Kampener Kliff verlor sechs Meter an Substanz, vor der Lister Strandhalle gingen Dünen verloren.Kurz vor dem eigentlichen Hochwasser flaute der Sturm ab, so daß es nicht zu einer größeren Katastrophe kam.Sylt drohte bei dieser Flut auseinanderzubrechen: Nördlich von Kampen und südlich von Rantum ist die Insel nur einige hundert Meter breit. Das Glück stand den Inselbewohnern zur Seite, Sylt kam bei dieser Flut noch glimpflich davon, andere Gebiete der Nordsee erwischte es viel schlimmer.Sylt ist den Kräften der Nordsee stärker ausgesetzt als alle anderen Nordseeinseln. Durchschnittlich prallt jährlich eine Energiemenge von 5,6 Milliarden Kilowattstunden auf die Sylter Küsten; eine unglaubliche Masse.














