Georg’s Galerie

»Sylter Baum« als Denkmal zum 30. Jahrestag des Mauerfalls

Aufgeweckte Leser und Fans der Baumkunst wissen, dass sich Georg Meierhenrich immer mit der Welt, seiner Umgebung und Aktuellem auseinandersetzt. Er hinterfragt, denkt nach, und jeder seiner Bäume ist ein Denkmal. Künstler Georg Meierhenrich und die Bäume: Das ist die Geschichte einer Liebe, die ansteckend ist. Sie sind filigran trotz der manchmal doch großen Größe, mit einer besonderen Schicht aus Sylter Sand überzogen, jeder scharfsinnig und geistreich für sich und immer mit einer Geschichte. So auch sein Objekt »Denkmal in zwei Teilen« oder »Denk mal in zwei Teilen«. Das Thema Deutsche Einheit hat ihn als Künstler bewegt und herausgefordert. Der Baum beschäftigt sich mit dem Mauerfall, dem Ende des Krieges und der Wiedervereinigung. Dargestellt ist die deutsche Eiche, in die ein Blitz eingeschlagen hat. Blitz und Donner symbolisieren den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Auch weitere Symbole sind von großer Bedeutung: ein Fünfzigpfennigstück, eine DM-Münze und ein kleiner Käfer. Die kleine Münze mit der Abbildung einer Frau, die einen Baum pflanzt, ist den Trümmerfrauen gewidmet. Der Käfer und die D-Mark zusammen ergeben das Wirtschaftswunder. Wenn man die neuesten Ereignisse in Berlin verfolgt, dann sieht man, dass das geplante Einheitsdenkmal noch nicht steht und eine Fertigstellung zum 30. Jahrestag unrealistisch ist. Denn das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Schlossplatz sorgt weiter für Diskussionen. Eine begehbare, überdimensionierte Schale (»Einheitswippe«) soll an die friedliche Revolution in der DDR erinnern. Die Umsetzung hatte sich in den vergangenen Jahren wegen Unstimmigkeiten über den Entwurf, die Kosten und den Ort immer wieder verzögert.

Und warum dann nicht einfach umdenken und eine Alternative finden? Jetzt kommt Georg Meierhenrich ins Spiel: Mit regem Interesse verfolgend, bietet er seinen »Sylter Baum«, »Denkmal in zwei Teilen« oder Denk mal in zwei Teilen«, als Einheitsdenkmal an. Er richtet sich damit direkt an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Bereits vor 13 Jahren überreichte er Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Syltbesuch einen »Sylter Baum«. Man kennt also den Namen Meierhenrich im Bundestag. »Mit diesem Objekt habe ich die Möglichkeit, der Stadt Berlin etwas zurückzugeben. Die Hauptstadt hat mich zu einem Künstler gemacht und mich geformt«, erzählt der Recyclingkünstler. Doch was ist die Geschichte dahinter? Dazu muss man weiter ausholen: In Berlin-Zepernick geboren, ist er im Ruhrpott aufgewachsen. Als gelernter Elektroinstallateur des Bergbaus kehrte der 19-Jährige zurück in die Heimatstadt. Georg Meierhenrich wollte in der Kunst leben und arbeiten. Sein eiserner Wille, seine Begabung, sein ständiger Kontakt zu anderen Künstlern und die Nähe der Kunstakademie verhalfen ihm bald zu einen Namen in der Berliner Kunstszene. Seine Leidenschaft war jedoch die Bildhauerei. Zunächst schuf er abstrakte, später naturalistische Plastiken aus vielfältigem Schrott-Material. Skulpturen in Form von Bäumen sind inzwischen das Markenzeichen von Georg Meierhenrich und haben sich zum Sylter Kultobjekt entwickelt. In seinem Atelier im Siidik 6 in Keitum kann man sehen, wie so ein stilvolles und lebendiges Stück entsteht. Dabei ist jeder Baum anders. Über abstrakte Figuren zu skurrilen Plastiken – zum Baum der Gegenwart; als Mahnmal, als »Denkmal«.