Emil Nolde in der Galerie Rudolf

Der Reiz des Mystizismus

Als der Norddeutsche Emil Nolde (1867-1956) im Juli 1905 aus der Schweiz auf die Insel Alsen zurückkehrte, machte er Halt in Weimar und besuchte dort eine Gauguin-Ausstellung: »In der modernen Kunst habe ich noch nie eine gleiche Farbenpracht gesehen.«

Die exotische Welt, in die der Franzose geflüchtet war, wurde auch für Nolde zum Sehnsuchtsziel. Dabei ging es ihm keineswegs um romantischen Eskapismus. Vielmehr verfolgte er eine bestimmte künstlerische Absicht, die Wiedergewinnung des »Ursprünglichen«. 1911 plante er ein Buch über »Kunstäußerungen der Naturvölker«, welches nie publiziert wurde. Aber zur Vorbereitung studierte Nolde Objekte der Ägypter, Assyrer, der Naturvölker Afrikas, Südostasiens und der Südsee, von denen das Berliner Völkerkundemuseum überquoll. Zwei Jahre später reiste Nolde zusammen mit seiner Frau über Russland, China, Korea und Japan in die Südsee. Das in der Galerie Rudolf präsentierte Werk »Junger Fürst und Tänzerinnen« stammt aus dem Jahr 1918 und zeigt Noldes Hang zu Naturreligion und Mystizismus. Zu sehen sind in den Räumen der Galerie Rudolf im Westerhörn 6 außerdem weitere schöne Einzelstücke von Künstlern der Klassischen Moderne. Geöffnet ist Dienstag bis Sonnabend durchgehend von 11 bis 18 Uhr.