Georg’s Galerie

Kultobjekt »Sylter Baum«
und die »Baumschule«

Ein Mahnmal, Denkmal, gebaut aus Schrott, verfeinert mit echtem Sylter Sand – das sind die »Sylter Bäume« von Galerist und Künstler Georg Meierhenrich. Skulpturen in Form von Bäumen sind inzwischen sein Markenzeichen und wahre Kultobjekte. In seiner Werkstatt in der Galerie im Siidik 6 in Keitum entstehen aus altem Schrott stilvolle und lebendige Stücke. Aus Spaß am Material und der ungebremsten Energie, Gegenstände einfach umzuformen: Denn so werden aus ausrangierten Teilen der Wegwerfgesellschaft Kunst-Stücke. Dabei ist jeder Baum anders, und zu jedem gibt es eine Geschichte zu erzählen. Er verfeinert das Objekt. Über abstrakte Figuren zu skurrilen Plastiken – zum Baum der Gegenwart; als Mahnmal, als »Denkmal«. So ist jeder Georg-Meierhenrich-Baum ein Individualist.

Doch warum »Sylter Baum«? Der Name ist seit April 2017 eine beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene Marke. Bäume sind Landschaftsschutz – vor allem auf Sylt von größter Bedeutung. Die kleinen Insel-Wäldchen unterstützen die landschaftliche Vielseitigkeit. Einst sorgte der rapide steigende Meeresspiegel dafür, dass kein Baum mehr wuchs. Erst ab 1826 legten Sylter kleine Gehölze in der Landschaft an. Das Ergebnis sind heute die knorrigen Wäldchen bei Kampen im Klappholttal und in der Vogelkoje sowie die Baumbestände in Westerland, Rantum, Hörnum und List. Aber auch das drastische Baumsterben in Keitum veranlasste Georg, seine »Sylter Bäume« als Andenken an diese Situation zu fertigen. »Ich freue mich über jedes kleine Plätzchen, was stehen bleibt und nicht bewirtschaftet wird. Dort können Büsche, kleine Bäume und Sträucher gedeihen, was von großer Bedeutung für die Artenvielfalt ist«, sagt der Künstler. Eine Idee, der Natur etwas zurückzugeben. Der »Sylter Baum« –  das Symbol gegen Verschwendung, für Umweltbewusstsein. In seiner Werkstatt, seiner »Baumschule«, wachsen die Bäume. Doch hier kommen oft Missverständnisse auf: »Baumschule« heißt nicht, dass er Bäume pflanzt und ihnen beim Wachsen zusieht, sondern er sieht den Begriff und das, was er macht, eher als Mahnen, Bäume zu sähen, gut mit ihnen umzugehen und von ihnen zu lernen. »Ich bin der Meinung, jeder sollte in den Wald gehen, sich einen Baum aussuchen, diesen ab und zu besuchen und dabei die Veränderungen wahrnehmen«, erklärt Georg Meierhenrich. Auch sieht er sich als Schüler, da die Natur ihn viele Sachen lehrt. Und dadurch, dass unter seinem Schweißgerät Altmetall zu neuem Leben in Form von »Sylter Bäumen« erwacht, wird er zum Meister.