Roma e Toska

Frühherbst auf der Insel.

Warmes Baby-Kamelhaar, Kunst und Fashion  unter dem Reetdach.

Die Insel Sylt ist der alte neue Sehnsuchtsort, mit dem Wind von Nordwest, dem würzige Klima, den Freiräumen zum Wandern und dem Miteinander auf Distanz. Wer möchte nicht in diesen Tagen und Wochen hier sein. Gräfin Tyszkiewicz, Designerin und Kopf des Luxus-Labels aus Hamburg, hat ihre Entscheidung schon vor Monaten getroffen und ihrem Standort in Kampen ein noch stärkeres Gewicht gegeben. »Ich wollte schon lange dieses wunderschöne Kapitänshaus von 1690 umgestalten, noch weiter weit weg von einem normalen Geschäft mit Mode als Ware an der Stange. Es war mir wichtig, ein gelebtes Ganzes zu schaffen mit Kunst an den Wänden, Antiquitäten und Design und natürlich meinen Editionen. Es sollte ein wenig so sein, als wäre es mein Zuhause, was es in gewisser Weise auch ist.«

Ein Laden als Wohnung, als Zuhause. – Es ist ein starkes Statement in einer Zeit, in der jeder auf der Suche nach einer Sinnhaftigkeit ist und die internationale Mode den Richtungswandel versucht. Bilder an den Wänden schaffen Räume und eine außergewöhnliche Atmosphäre. Wir sollten uns verabschieden von gerahmten Kalenderblättern oder aufgehängten Postern, um es stattdessen mit der richtigen Kunst zu probieren, den Gemälden und Aquarellen der Norddeutschen Künstler, ein Thomas Herbst, ein Ivo Hauptmann. Die Galerie Herold hat sich dafür einen Namen gemacht und bei Roma e Toska ist in Kooperation eine kleine Auswahl davon zu sehen.

Drei Arbeiten aus der Steinserie von Krzysztof Graf Tyszkiewicz sind ebenfalls ausgestellt, passen sie doch nach Sylt, wie nur wenig anderes. Die Fotos von diesen urzeitlichen Steinwesen machte der Fotograf und Künstler während der Corona-Zeit auf der Insel. Die Objekte fand er versteckt in den Friesenwällen entlang der Häuser. Die Bilder erinnern an archäologische Fundstücke vorchristlicher Grabstätten. Die dazugehörige Ausstellung im Kaamp-Hüs ist noch bis zum 31. Oktober 2020 zu sehen. Gerne führt der Graf persönlich durch die Schau.

Natürlich geht es auch um Mode, wenn man zu Roma e Toska kommt. Wie kleidet man sich in dieser Zeit, wenn die Schränke voll sind und die Events wegfallen? Man sucht nach Lieblingsstücken, nach Einzelteilen, die die Persönlichkeit umschmeicheln und das Eigene wieder neu beleben. Ein Cashmere-Woll-Pullover von Cristaseya aus Italien, eine Seidenbluse mit den Medusen des Ernst Haeckel, eine Vintage Kette von Yves Saint Laurent oder die Stiefel von Taglia Scarpe, gefertigt in der Manufaktur in Venedig… Hinter allem steht eine Haltung der Mode gegenüber, die sie als Stil definiert, zeitlos, nachhaltig, verantwortungsvoll. Ein kreatives Statement.